Skip to content

Mädchen & Jungen

Im Tal der Dachse

Es begann am Montag, dem 13. Es hätte genauso gut Freitag der 13. sein können. Meine Lehrerin kam in die Klasse und rief schon mei- nen Namen. Ich wusste, worum es ging. Ich hatte die Unterschrift meines Vaters gefälscht, um nicht am Turnunterricht teilnehmen zu müssen. Es war reine Notwehr, ehrlich. Ich war als Läufer schon die allergrößte Niete, wie hätte ich einen Hürdenlauf überstehen sollen? Ich konnte mich nur zu gut an das Gelächter in der letzten Turnstunde erinnern, als ich wie ein nasser Sack an einer Metallstange gehangen war. Ich hatte weder die Kraft, mich weiter hinaufzuziehen, nochhatte ich den Mut, loszulassen. Als ich dann doch losließ, war ich etwa dreißig Zentimeter zu Boden gefallen. „Klaus“, rief meine Lehrerin, „zweiter Aufruf.“ Ich erhob mich und ging zum Lehrertisch vor. Aus der letzten Reihe kam ein Kichern. Die Blicke meiner Mitschüler bohrten sich in meinen Rücken wie Nadelstiche. Meine Ohren brannten, als hätten sie Feuer gefangen. Eigentlich mochte ich meine Lehrerin. Doch wenn sie wütend war und dabei redete, klang es, als hätte sie den Mund voll zerkauter Gummibären.

© copyright by Eva Siebenherz